Kassel
Kassel, Germany

Geotechnische Analyse für Tunnelvortriebe in weichen Böden in Kassel

Das Kasseler Becken stellt den Tunnelbau vor besondere Herausforderungen. Während die Hänge von verwittertem Keuper und Muschelkalk geprägt sind, dominieren im weiten Talraum der Fulda holozäne Auelehme und fluviatile Sande die oberen 10 bis 30 Meter. Diese geologische Zweiteilung bedeutet in der Praxis: Wer im Bereich der Friedrich-Ebert-Straße oder unter der Karlsaue einen Tunnel auffährt, hat es mit drückendem Grundwasser und kaum standfesten Lockergesteinen zu tun. Eine reine Erfahrungsannahme reicht hier nicht. Wir kombinieren in solchen Fällen die Korngrößenanalyse zur präzisen Klassifikation der oft organisch durchsetzten Auesedimente mit Laborversuchen, die das realistische Verformungsverhalten unter den Spannungszuständen eines Tunnelvortriebs abbilden. Nur so lassen sich realistische Setzungsmulden prognostizieren und Schäden an der dichten innerstädtischen Bebauung vermeiden.

In der Kasseler Fuldaaue bestimmt nicht der Fels, sondern das Porenwasser die Standsicherheit der Ortsbrust – wer hier ohne realistische cu-Werte plant, riskiert jeden Meter Vortrieb.

Leistungsmerkmale in Kassel

Die neue Fassung des Eurocode 7 (DIN EN 1997-2:2010-10) und die begleitende DIN 4020 verlangen für Tunnel in Lockergesteinen eine Parameterermittlung, die über einfache Rahmenscherversuche hinausgeht. In Kassel kommt erschwerend hinzu, dass die quartären Sedimente stark heterogen sind – eine Wechsellagerung von weichen Schluffen, dichten sandigen Kiesen und nassen Tonlinsen ist eher die Regel als die Ausnahme. Wir setzen daher auf triaxiale Kompressionsversuche unter drainierten und undrainierten Bedingungen, um die effektiven Scherparameter φ' und c' sowie die Steifigkeitsmoduli für verschiedene Dehnungsniveaus zu ermitteln. Besonders die kleinen Dehnungen, die für die Setzungsberechnung im Schildvortrieb entscheidend sind, erfassen wir mittels lokaler Dehnungsaufnehmer. Flankierend zur Laborroutine nutzen wir bei Bedarf den CPT-Versuch, um die Schichtgrenzen und die Undrainierte Scherfestigkeit cu im Feld lückenlos zu profilieren, bevor die erste Bodenprobe im Labor eintrifft. Das spart Zeit und schärft das Baugrundmodell bereits in der Vorerkundungsphase.
Geotechnische Analyse für Tunnelvortriebe in weichen Böden in Kassel
Geotechnische Analyse für Tunnelvortriebe in weichen Böden in Kassel
ParameterTypischer Wert
Undrainierte Scherfestigkeit cu (weicher Auelehm)15 – 40 kPa
Effektiver Reibungswinkel φ' (fluviatile Sande)30° – 35°
Steifemodul Es (Erstbelastung, Schluff tonig)5 – 15 MPa
Durchlässigkeitsbeiwert kf (Auesand)1×10⁻⁵ – 1×10⁻³ m/s
Konsistenzzahl Ic (Keuperton)0.75 – 1.10 (steif)
Organischer Anteil (holozäner Auelehm)2 – 8 %
Wichte γ (wassergesättigter Schotter)20 – 22 kN/m³

Demonstration video

Lokale geotechnische Bedingungen in Kassel

Der Hauptrisikofaktor im Kasseler Tunnelbau ist der Grundwasserandrang in Kombination mit geringer Scherfestigkeit. Die quartären Talfüllungen der Fulda erreichen Mächtigkeiten von über 25 Metern, und der Grundwasserspiegel liegt oft nur 2 bis 3 Meter unter Geländeoberkante. Bei einem Tunnelvortrieb unter der Frankfurter Straße bedeutet das: hydrostatischer Druck auf die Ortsbrust, der ohne ausreichende Stützung sofort zu Ausbläsern und Tagbrüchen führen kann. Eine weitere Schwachstelle sind die Übergangszonen zwischen dem verwitterten Keuperton und den auflagernden quartären Kiesen – hier sammelt sich Schichtenwasser, das beim Anfahren plötzlich einbricht. Unsere Analysen zielen daher gezielt auf die Ermittlung der kritischen Stützdruckuntergrenze ab, basierend auf Bruchmechanismen nach Horn und der Berücksichtigung von Porenwasserüberdrücken, die beim Vortrieb entstehen. Ohne diese Parameter ist eine realistische Vortriebssimulation nicht möglich.

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Anwendbare Normen: DIN EN 1997-2:2010-10 (Eurocode 7 – Erkundung und Untersuchung), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke), DIN 18137 (Bestimmung der Scherfestigkeit – Triaxialversuch), ZTV-ING Teil 5 (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen für Ingenieurbauten – Tunnelbau), Empfehlungen des Arbeitskreises Tunnelbau (EAB, EAU)

Unsere Leistungen

Unser Labor in Kassel deckt die gesamte Bandbreite der geotechnischen Analyse für maschinelle und konventionelle Tunnelvortriebe in weichen Böden ab. Von der ersten Probenahme im Vorfeld bis zur versuchsbegleitenden Überwachung während der Bauphase liefern wir die Kennwerte, die für eine standsichere und setzungsarme Ausführung erforderlich sind.

Triaxiale Scherversuche mit Porenwasserdruckmessung

Konsolidierte, undrainierte (CU) und drainierte (CD) Triaxialversuche an ungestörten Sonderproben aus den Auelehmen und Keupertonen. Ermittlung der effektiven Scherparameter φ' und c' sowie der Kohäsion bei verschiedenen Konsolidierungsspannungen zur Kalibrierung von Stoffmodellen wie dem Hardening Soil Model für FEM-Berechnungen.

Ödometerversuche zur Steifigkeitsermittlung

Bestimmung des spannungsabhängigen Steifemoduls Es und des Erstbelastungs- sowie Wiederbelastungsmoduls. Besonders relevant für die Abschätzung von Setzungen über dem Tunnelfirst in der dicht bebauten Kasseler Innenstadt und entlang der Wilhelmshöher Allee.

Häufige Fragen

Welche geotechnischen Kennwerte sind für einen Schildvortrieb im Kasseler Auelehm entscheidend?

Die undrainierte Scherfestigkeit cu und der Steifemodul Es bei kleinen Dehnungen sind die zwei kritischsten Parameter. Der Auelehm neigt unter deviatorischer Belastung zu plastischem Fließen, sodass wir die cu-Werte mittels Triaxialversuch und ergänzend über CPT-Sondierungen ermitteln, um die Bandbreite der natürlichen Heterogenität zu erfassen. Für die Setzungsprognose brauchen wir zudem die Spannungsabhängigkeit des Steifemoduls aus Ödometerversuchen, da die Überlagerungsspannung im Stadtgebiet Kassel je nach Tiefenlage des Tunnels stark variiert.

Wie berücksichtigen Sie den Grundwassereinfluss in der Fuldaaue?

Wir führen die Triaxialversuche mit Porenwasserdruckmessung durch, sodass wir zwischen totalen und effektiven Spannungen unterscheiden können. Für die Ortsbruststabilität ist das entscheidend: Der hydrostatische Druck aus der nahe gelegenen Fulda wirkt als äußere Last, während Porenwasserüberdrücke im Boden selbst die effektive Spannung und damit die Scherfestigkeit reduzieren. In den feinkörnigen Schluffen der Aue dauert die Konsolidierung zudem lange, was wir in der Versuchsdurchführung durch langsames Abscheren mit angepasster Abschergeschwindigkeit berücksichtigen.

Welche Normen gelten für Tunnel in Lockergestein in Deutschland?

Maßgebend sind der Eurocode 7 (DIN EN 1997-2:2010-10) für die geotechnische Erkundung und die DIN 4020 für die geotechnischen Untersuchungen. Für den Tunnelbau selbst greifen die ZTV-ING Teil 5 sowie die Empfehlungen des Arbeitskreises Tunnelbau (EAB und EAU). Unser Labor ist nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert und führt sämtliche Versuche konform zu diesen Regelwerken durch, inklusive der spezifischen Anforderungen an Probenlagerung und Versuchsdurchführung für weiche Böden.

Mit welchen Kosten muss ich für eine geotechnische Analyse eines Tunnelprojekts rechnen?

Die Kosten für ein geotechnisches Untersuchungsprogramm in weichen Böden liegen je nach Umfang zwischen €3.640 und €15.710. Der Preis hängt von der Anzahl der Triaxialversuche, der erforderlichen Ödometerversuche und der Komplexität der Probenaufbereitung ab. Bei stark heterogenem Baugrund wie im Kasseler Becken empfehlen wir eine ausreichende Anzahl von Versuchen, um die statistische Streuung der Kennwerte belastbar abzubilden und Nachträge während der Bauausführung zu vermeiden.

Warum reichen einfache Rahmenscherversuche für Tunnel in weichem Boden nicht aus?

Rahmenscherversuche erzwingen eine vorgegebene Scherfuge und können keine realistischen Spannungspfade abbilden. Bei einem Tunnelvortrieb wird der Boden aber triaxial belastet, mit Spannungsumlagerungen, die zu volumetrischem Verhalten führen. Nur der Triaxialversuch erlaubt die Messung von Porenwasserdruckänderungen und die Ermittlung der deviatorischen Verformungen, die für die Prognose von Setzungen an der Tagesoberfläche – etwa an der historischen Orangerie oder den Wohngebäuden am Weinberg – unverzichtbar sind.

Abdeckung in Kassel